Nach längerer Pause werde ich mal etwas über den wichtigsten Grund für die lange Artikelpause schreiben: Die Uni.
Matematiskt- Informationsteknologiskt CentrumDas Studieren ist hier etwas anders organisiert als in Deutschland. Der wichtigste Unterschied ist das Fehlen eines fixen Stundenplans - die Vorlesungen finden jede Woche zu unterschiedlichen Zeiten und oft auch in unterschiedlichen Räumen statt. Am Anfang hat man uns erklärt, dass die Idee dabei ist, dass die Studenten jede Vorlesung wählen können sollen. Der Vorteil der ständig wechselnden Termine ist, dass zwei Vorlesungen nicht komplett an parallelen Terminen laufen. Der Nachteil ist, dass es früher oder später immer die eine oder andere Kollision gibt. (Außerdem gibt es auch gerne mal kurzfristige Änderungen, z.B. was Raumbelegungen angeht, zumindest bei mir. Also schaue ich morgens besser noch mal auf meinen dynamisch generierten, aktuellen Stundenplan im Internet. Wie das hier funktioniert hat, als noch nicht jeder Student eine 10Mbit-Internet-Standleitung hatte, ist mir schleierhaft.)
Das Ganze ist nur möglich, weil man normalerweise sowieso nur zwei Vorlesungen hört. Eine Vorlesung läuft in der Regel das halbe Semester (eine Period), so dass man zusammen auf vier Vorlesungen pro Semester kommt. Wir allerdings nicht, weil wir zusammen an einem Projekt teilnehmen, das über das ganze Semester läuft. (Dazu später sicherlich mal mehr.)
Auf jeden Fall macht das ganze Studieren deutlich mehr Arbeit als gedacht. Diese Woche waren es bei mir zwei Labs, eine Hausaufgabe und eine Reflection allein für die Vorlesung "Datakom I" (Netzwerke), weshalb mir ein paar Nächte fehlen. Aber das Schlimmste für diese Period sollte damit überstanden sein - mal sehen, was die nächste bringt.
Auch um das tägliche Studieren herum ist einiges anders organisiert als in Deutschland. Zum Beispiel war ich nach den Erfahrungen an der Schule in Strömstad (Schulaustausch '98) davon ausgegangen, dass die hervorragend ausgestatteten schwedischen Unis über luxuriöse Mensen verfügen, aber nix da! Es scheint damit zusammen zu hängen, dass es in Schweden allgemein nicht so üblich ist, sich mittags komplett vollzufuttern, auf jeden Fall gibt es auf unserem Campus nur ein Restaurang, das zum Lunch (sprich: Lunsch) hauptsächlich von Uni-Mitarbeitern aufgesucht wird und preislich nicht unbedingt zum täglichen Besuch einlädt. Außerdem hatten wir anfangs Schwierigkeiten damit, das Tagesmenü zu verstehen, was dazu führte, dass statt der erwarteten Spaghetti Bolognese auf einmal Rigatoni mit Meeresfrüchten vor mir standen. Buärks.
LunchWenn Studenten in der Uni Essen möchten, dann bringen sie etwas mit. Und das kommt dann in die Mikrowelle. Die Mikrowelle? In jedem Haus befinden sich zwei Räume, an deren Wand so viele Mikrowellen hängen, wie ein normales Hausnetz vermutlich gerade so verträgt. In der Mittagspause sind diese Räume dann voll von Studenten, die ihre Mikrowellenessen brav in einer Reihe auf den Tisch legen und warten. Wessen Essen vorne in der Reihe ist, bekommt die nächste Mikrowelle. Merke: Lasagne ist asozial. Während unsere köttbullar med ris (sehr verbreitet) gerade mal zwei Minuten brauchen, dauert die Zubereitung dieser Ausgeburten des Convenience Food beinahe eine Viertelstunde.