Where's Waldo? Wir sind mit dem Auto gekommen. Prinzipiell eine gute Sache, ansonsten wäre ja auch unser Gepäckrekord nicht möglich gewesen. Hier in Uppsala ist ein Auto allerdings, wie sich schnell gezeigt hat, nicht unbedingt von Vorteil. Zunächst ist da die Verkehrsführung: Die Innenstadt hat im wesentlichen drei Arten von Straßen: Solche, durch die nur Taxis und Fahrräder in beiden Richtungen fahren dürfen, solche, durch die überhaupt nur Taxis und Fahrräder fahren dürfen und Sackgassen, an deren Ende ein Durchgang für Fahrräder ist.
Das zweite Problem ist der Parkraum. Erstens gibt es kaum Parkplätze und zweitens werden alle, wirklich alle Parkplätze die es gibt von privaten Firmen bewirtschaftet. Sogar der vor unserem Wohnheim, obwohl wir wirklich komplett ab vom Schuss sind.
Fütter' mich! Ein Parkticket bekommt man an Automaten, spezielle Langzeit- oder Dauertickets gibt es nicht. Wenn man an einem Platz einen ganzen Monat lang parken möchte, füttert man den Automaten einfach so lange, bis das Ticket einen Monat lang gilt. Das ist dann natürlich billiger. Zahlen kann man mit Münzen oder mit Guthabenkarten verschiedener Tankstellenketten. Da Letzteres für uns nicht in Frage kommt (wo habe ich nur meine Preem-Karte?), brauchten wir also Münzen in ausreichender Menge. Womit wir schon beim nächsten Problem sind: Die Schweden hassen Münzen. Im Supermarkt gibt es an den Kassen spezielle Automaten (Aufschrift: "Ja, wir nehmen gerne [sogar] ihre Münzen"), in die man diese nervigen kleinen Dinger reinschmeißt, der Betrag wird dann automatisch verrechnet - nicht einmal ein Kassierer muss sich mit Zählen herumplagen.
Die Geldscheine beginnen bei umgerechnet zwei Euro und man bekommt immer möglichst viele Scheine zurück (Service!). Wie also an Münzen kommen? Gut, ein paar Kronen hatten wir schon, aber ein Tag parken hier draußen kostet 20 Kronen - ein Monat 80 Kronen. Da möchte man schon gern ein Monatsticket haben. Also haben wir angefangen, Münzen zu sammeln. Und natürlich versucht, Scheine zu wechseln. Antwort: "So viele Münzen habe ich nicht!" - klar, wir wollten ja auch ganze acht Euro von der Frau an der Buchladen-Kasse. Erfolgreich waren wir dann bei der Post. Gute Idee; wenigstens die können nicht alles in Scheinen zurückgeben, wenn man zwei Briefmarken kauft.
Erhöhtes Beförderungsentgelt? Zu diesem Zeitpunkt war es in gewisser Weise allerdings schon zu spät: Wir hatten das Auto mangels Münzen zwei Tage lang unbezahlt in Lilla Sunnersta stehen lassen und haben einen Strafzettel bekommen - 350 Kronen. Für wieviele Monate das gereicht hätte, darf sich jeder selber ausrechnen.
Und die Moral von der Geschicht': Hier fährt man Fahrrad. Das zieht erstaunliche gesellschaftliche und ökonomische Effekte nach sich (Fahrradpreise!), von denen wir noch berichten werden.
Übrigens: Eine Krone sind eigentlich 100 Öre. Als Münzen gibt es aber nur zehn Kronen, fünf Kronen, eine Krone und fünfzig Öre. Kleinere Münzen wurden abgeschafft. Wenn beim Einkaufen ein Betrag entsteht, für den es keine Entsprechung in Münzen gibt, wird zu den nächsten 50 Öre gerundet. Die Schweden mögen eben keine Münzen.